Kleine Wellenkunde für die Adria

Generell muss man vorausschicken, dass die Wellenkunde nach wie vor ein umfangreiches Forschungsgebiet darstellt. Ähnlich wie beim Wetter, sind uns viele Gesetzmäßigkeiten noch ein Rätsel.

Die Adria gehört – weltweit gesehen – auf Grund ihrer geringen Größe zu den eher ruhigen Meeren. Man unterscheidet Wellen, die durch Wind verursacht werden, und Wellen, die auf eine andere Art entstehen.

Die drei Hauptwinde Jugo, Bora und Maestral bilden – jeder für sich – ganz charakteristische Wellen aus:

Die Wellen des Jugo sind langgezogen und erreichen meist eine Höhe bis zu 3 Meter, selten 6 Meter und ganz selten über 6 Meter. Der Jugo produziert die höchsten Wellen in der Adria, besonders dann, wenn er – so wie in den Wintermonaten – tagelang bläst.

Die Bora erzeugt kurze, steile Wellen, deren Spitzen brechen. So entstehen Gischt und Schaum, die dem Skipper sämtliche Sicht rauben. Die Wellen der Bora wachsen schnell an, je weiter man sich vom Land entfernt. Für die Schifffahrt sind sie unangenehm und sehr gefährlich.

Da der Maestral selten länger als einige Stunden bläst, bildet er kaum höhere Wellen aus. Nur der offene Teil der Kvarnerbucht und das Murtersko More sind bekannt dafür, dann und wann Maestralwellen von bis zu 2 Meter Höhe auszubilden.

Da die Wellenhöhe von Sportbooten aus schwer einschätzbar ist, sollte man folgende Grundregel beherzigen: wenn die Wellen zu brechen beginnen, und sich weißer Schaum bildet, haben offene Boote eigentlich nichts mehr am Meer verloren.

Beim Maestral kann man meist davon ausgehen, dass er gegen Abend einschläft, Jugo und Bora sind Winde, die sich weniger an Tageszeiten halten.

Wellen, die ohne Wind entstehen sind selten, weit weniger erforscht, und teilweise noch ein echtes Rätsel. Fischer und seekundige Einheimische sprechen dabei von „Wellen des toten Meeres“ (Mrtvo more), die in erster Linie auf dem offenen Meer zu beobachten sind, jedoch dann und wann ihren Weg auch zwischen die vorgelagerten Inseln finden.

Diese Wellen entstehen bei spiegelglattem Meer und völliger Windstille. Sie können selten bis zu 3 oder 4 Meter Höhe erreichen. Es handelt sich um langgezogene Wellen, die kaum so steil werden, dass sie brechen.

Die genaue Entstehungsursache ist nicht bekannt, man vermutet, dass es sich dabei um Unterwasserströmungen handelt, die durch Winde angestoßen wurden.

Beobachtet wurde, dass „Totes-Meer-Wellen“ Vorboten für einen lang anhaltenden Jugo sein können, oder im Winter nach einem tagelangen Jugo oder einer Tramontana entstehen können.